Atelierbesuch bei Nesa Geschwend, Niederlenz

Lehrpersonen: Max Gloor und Ralph Bitterli
13 Schülerinnen und Schüler der 1. Sek. Landenhof

An einem nebligen Freitagmorgen machen wir uns auf den Weg nach Niederlenz in ein Atelier, in dem Werke hängen, die den SchülerInnen genau so ‚verschwommen’ vorkommen werden wie die Umrisse der Industrie, die wir auf unserem Hinweg durchqueren.

Nesa Gschwend empfängt uns ganz herzlich in ihrem gemütlichen zu Hause, stellt uns gleich en passant einer ihrer Söhne vor, der auch zur Schule muss und führt uns anschliessend in den schönen und hohen Arbeitsraum. Die SchülerInnen entdecken die Werke, stellen Fragen, äussern sich, wollen wissen, warum und wie, mit welcher Technik, warum gerade so, sind wissbegierig. Nesa Gschwend führt die SchülerInnen behutsam an ihre Werke hin, zeigt andere Blickwinkel, nimmt die Fragen auf und fragt auch wieder zurück. Porträts sind das Thema dieses Morgens und die Künstlerin nimmt die Jugendlichen auf eine spannende Entdeckungsreise mit. Alle porträtieren einander mit einem dicken Graphitstift in einer jeweils ganz kurzen vorgegebenen Zeit. Die SchülerInnen dürfen während des Zeichnens aber nicht aufs Blatt sehen. Der Stift ist neu, das ‚Nicht Hingucken’ erweist sich als sehr schwierig, das Tempo, das Nesa vorgibt, setzt unter Druck. Doch nach den ersten Gehversuchen beginnt die Arbeit Spass zu machen, sie befreit von festgelegten Denk- und Arbeitsmustern und sie verändert den Blick, das Sehen. Und plötzlich stehen die SchülerInnen den Arbeiten, die sie umgeben viel näher, betrachten sie anders, äussern, welche Gefühle die ‚Gesichter’ bei ihnen auslösen, welche Adjektive ihnen in den Sinn kommen, wenn sie dieses oder jenes Gesicht sehen – und vergessen Raum und Zeit, vergessen Bedürfnisse wie Pause, Essen und Trinken.

Die Pause gibt’s dann trotzdem einmal, Nesa lädt alle zu einem Znüni ein und dabei merken wir, dass die restliche Zeit schon knapp wird. Wir hätten ja da noch ein paar Fragen.
„Warum haben Sie angefangen, Bilder zu zeichnen?“ – „Wie lange arbeiten Sie schon als Künstlerin und wie viele Werke haben Sie schon gemacht?“ – „Wie sieht ein Tag einer Künstlerin aus?“ – „Gibt es auch eigene Bilder, die Ihnen nicht gefallen?“ – „Welches ist Ihr Lieblingsbild?“– „Woher nehmen Sie Ihre Ideen?“ – „Wie viel verdienen Sie, reicht dies zum Leben?“ – „Ist das Ihr Traumberuf?“

Nesa Gschwend nimmt sich jeder Frage an und gibt sehr offen Antwort. Drei Stunden sind im Flug vorbei und die SchülerInnen nehmen viele neue Eindrücke mit zurück in die Schule.

„Es war sehr spannend!“
„Das Abzeichen hat mir am besten gefallen, Tugay ist mir gut gelungen.“
„Mir haben die Portraits aus Asien gut gefallen, besonders aber das sehr grosse Bild“
„Einen solchen Graphitstift möchte ich auch!“
„Wir hatten es echt lustig!“
„Habe sehr viel über die Künstlerin erfahren.“
„Wie Zauberei, von der Rückseite aus sah das Gesicht ganz anders aus!“
„Ich fand die Bilder an der Wand sehr schön.“

Draussen hängt der Nebel hartnäckig, es ist immer noch unfreundlich, doch wir nehmen ein Stück Wärme mit, der Blick ist geschärft, die Sichtweisen und der Horizont sind erweitert.